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So, es ist getan. Ich habs’ verkauft.

Am Anfang schien es die perfekte Beziehung zu sein. Klein (ungefähr ein DIN A5 Blatt), leicht (etwas mehr als ein Kilo) und sechs Stunden Akkulaufzeit – eine fast optimale Lösung meiner datentechnischen Bedürfnisse unterwegs versprach der/die/das Asus EEE PC 901. Aus diesem Grund habe ich mir den Kleinen kurz vor der letzten Feldforschung in China organisiert. Zwar habe ich ein Notebook vom Forschungsprojekt, aber diesen drei Kilo Klotz durch Sichuan und Shandong zu schleppen schien mir keine gute Idee. Durch den Verkauf meines Nokia n800 (irgendwann dazu mehr), war der Kleine auch nicht mehr so teuer. Zumindest war dies meine Rechtfertigung für mich und alle, die (noch) keinen Sinn in der Investition sahen.

Aber sein wir ehrlich: natürlich wollte ich die Kiste hacken; einen Frankenmac ‘draus machen. Vielleicht wäre es mit diesem Quasi-Netbookstandarddesign (Intel Atom etc) ja auch endlich mal möglich, alle technischen Funktionen mit einer Standardlinuxdistro zu nutzen (kurze Zusammenfassung aller Versuche: nein, nicht möglich). Gerecht, schnell und mobil Windows hinter mir lassen, so dachte ich mir das. Das Netbook sollte instant-on da sein, Firefox, Thunderbird und Skype mich unterwegs mit der Welt verbinden. Word und ein .pdf reader für die Dokumente im Feld. Zur Erläuterung: leider dominiert Microsoft bzw. Microsoft Raubkopien sämtliche Verwaltungsstrukturen in der VR. Ein Mindestmaß an Kompatibilität erleichtert den Austausch vertraulicher Materialien enorm. Die Option eigene Dokumente zu verfassen hatte für mich allerdings nur sekundäre Bedeutung. Deshalb waren die kleinen Tasten des Asus, gerade im Vergleich zum MSI Wind, auch kein Problem. Für den Medienkonsum noch VLC und last.fm – das sollte es gewesen sein.

Netbooks und so auch der Asus EEE PC901 sind technisch gesehen, lets face it, im wesentlichen nur Miniaturisierungen von größeren (oder wahlweise: richtigen) Notebooks. Für den Tradeoff von etwas weniger Rechenleistung und Speicherplatz (mein Asus hatte 2 SSD: eine schnelle mit 4GB und eine langsame mit 8GB) bekommt man ein leichtes und portables Gerät mit einem sog. vollwertigen Betriebssystem. Und genau hier liegen m.E. Vor- und Nachteil dieser Kisten.

Zunächst ein paar allgemeine Eindrücke. Mein Asus wurde mit Win XP ausgeliefert und lief damit eigentlich auch ganz gut. Ehrlich gesagt lief keine Linux Distro so fehlerfrei wie XP (trotzdem hilfreich ist array.org für Ubuntu oder Linux Mint). WLAN, Sound und Standby funktionieren unter Linux je nach Lust und Laune – aber meist nicht wie erwartet. MAC OS X ist wohl installierbar, aber passt eigentlich nur auf die langsamere (weil größere) der beiden SSD. Zudem funktionieren weder Sound noch WLAN brauchbar oder überhaupt. Am Ende schien XP doch wieder die einzig realistische Alternative zu sein. Mit einer Einschränkung: einen Virenscanner sollte man nicht installieren, wenn man flüssig Arbeiten möchte. Hier reichen der Speicher, die Rechenleistung des Atom und die Geschwindigkeit der SSD einfach nicht aus.

Spaß hatte ich an Skype und der eingebauten Videokamera. Dergleichen Funktionalität habe ich an meinem n800 immer vermisst. Filme und Musik laufen auf dem Asus auch ohne Probleme. Im Gegensatz zum iPod Touch oder dem n800 muss hier vorher nichts konvertiert werden. Thunderbird und Firefox machen jedoch bei intensiver Nutzung keinen Spaß. Es ist die Auflösung von 1024×600 und die Verschwendung des vorhanden Platz durch die beiden Programme der Mozilla Foundation bzw. ihrer Equivalente von Microsoft, die mir hier in die Quere kommen. Wer viele IMAP Ordner mit Thunderbird verwaltet, wird den Asus nach einer Weile hassen… Zwar kann man bei Firefox und Opera mit F11 auf Vollbild wechseln, aber allzu viele Fenster sollte man nicht öffnen.

Resumé. Mir drängt sich seit langem der (wohl offensichtliche) Gedanke auf, dass es nun mal Betriebssysteme sind, die Computer und Derivate (Handys, Internet Tablets, Netbooks, MIDs) steuern. Es ist primär die Software, die uns die Interaktion mit dem Gerät erlaubt – und nicht die Hardware. Ohne ein entsprechendes Betriebssystem, dass Rücksicht auf den Netbook Formfaktor nimmt, sind diese Geräte nur kleinere und langsamere Abbilder der Notebooks. Bis heute halte ich den Palm Foleo für ein spannendes Konzept. Eine speziell angepasste Linuxdistro – von der man wie beim n800 nicht merkt das es Linux ist- und Kompatibilität und auch Instant-On. Achja. Ein anderes Beispiel ist die Software des iPod Touch bzw. iPhone, welche den vorhandenen Platz perfekt ausnutzt.

Unter diesen Vorraussetzungen wird es für mich im Sommer, wenn die nächste Reise nach China ansteht, wohl wieder ein Mac werden.