Früher: China Splitter ·117 days ago
von Schoasch, Mai 2010
Griass Eich,
jetzt wirds mal wieder Zeit für einen China Splitter: Merkwürdigkeiten aus dem Reich der Mitte…

Früher, ja, früher, da hieß es noch: die Revolution frißt ihre Kinder! Aber heid? Heid is die Prohibition, die Prohibition wäscht die Brotzeitbox im Handwaschbecken-Platz. (Bild) Ja, für einen Al Wang is da kein Platz mehr. Der geht höchstens no aufs Klo, aber selbst da wird des Risiko minimiert mit so gschleckten Warnungen wie: Schiff und fall vorsichtig! (Bild)
Wia soll ma sich da no zurechtfinden bei dem Chaos?

Sherlock Schoasch (Bild) macht sich auf, die Abgründe der chinesischen Seele zu ergründen. Als erster Grundsatz: gehe nicht aus dem Haus, bevor du nicht dein Leben dreimal durchdacht hast. Wenn man dermassen sein Leben beautifiziert (Bild) und seine Haut durch Rasenmähen geschützt hat, sollte man sich auf der Straße beim Outing zivilisiert benehmen (Bild).


Man woass ja nie, wann ma die Passanten wieder trifft und diese einen berühren wollen (Bild), was ma natürlich zu verhindern woass, indem ma sich schnell in Richtung Ensemble (Bild) aus dem Staub macht.


Nachdem man also den Tücken im Leben eines Stodaras (Städtebewohners) entflohen ist, hält das Landleben ganz eigene Herausforderungen bereit. Geht also dem Lebendvieh aus dem Weg, bevor es Eich verwounden ko (Bild).

Glücklich der, mit dem die Macht ist. Aber, vorsichtig du sein musst (Bild). Denn um den Pfad zu finden, muss erst die Rübe ab! (Bild).


Den Pfad sollte man, wenn ma scho kopflos ist, mit Vorsicht behandeln (Bild), denn die Strasse ist so schmuus (glatt) (Bild), dass oan leicht aufs Maul haud.


Aber seits beruhigt: auf dem Tollet muass ma koan Zoll bezahlen (Bild), auch wenn ma davon koa Wort versteht (bild). Zum Teufel also mit den Teufeln (Bild). Kopf hoch, denn Ihr seid die Engel der göttlichen Reise (Bild).



Wer sich darauf koan Reim machen kann, macht nichts,
nicht jeder ist zum Philisoposophen geeignet.
Schwarzes Gold aus
meinen Lungen,
selten hat man dich
besungen,
doch wie oft bist du
erklungen
aus der Lungen
Niederungen!
Jetzt wo mei lieber Euro an Härte verliert, muass i no schnell in die Bank of China, um mir harte Währung zu beschaffen. Wer Geld wechseln will und dazu ein chinesisches Konto besitzt, erlebt was. Man nähert sich schon etwas skeptisch dem halbrunden, heruntergekommenen Bau, dem man sein Geld anvertraut.
Am Eingang steht so ein Adriano Celentano in Uniform auf 1,5m gestaucht, herzhaft in die Tiefen seines Körpers hineinhorchend um dann der Schweinegrippe und anderen Krankheiten zum Trotz den Eingang im 10 Minuten Takt mit seinen
innersten Errungenschaften zu verschönern.
In einer chinesischen Bank gibt es keine Privatsphäre, aber trotzdem hat die Filiale in Langfang den Versuch gestartet, die Geldspender geordnet an die Schalter zu lenken. Dazu wurde ein Automat aufgestellt, der Nummern verteilt, nach denen man aufgerufen wird. Ich war jetzt scho oft dorten, wenn wieder die Steuer und Miete fällig waren und hab mir brav die Nummer gezogen.
Was mi immer gwundert hat: warum dauert es ewig, bis ma dran kommt? Es kann vorkommen, dass ma sich eine Nummer ziagt, und trotzdem nie dran kommt. Da sitzt ma also zivilisiert und wartet, bis ma an die Reihe kommt, bis man eines Tages merkt: die Nummer sagt immer 250 (Anm. des Übersetzers: Trottel) und nur Trottel ziehen sich die Nummer und warten, bis sie an die Reihe kumman. Der normale Chinese drängt sich nach wie vor an die Schalter, an dem bereits 3 Kunden auf einmal bedient werden.
Multitasking in einer chinesischen Bank is einzigartig: der Einzahler und der Abheber neben dem Kontochecker und dem Interessierten. Spannend wird es immer, wenn der Ausländer dasteht, die Bankkauffrau das Kontobuch an die Panzerglasscheiben druckt und fragt: wiavui hättens denn gerne? Scho steht mein Vermögen den Chinesen weit offen, die Leute drücken sich mit der Nosn an die Scheiben, weil des is interessant, während i sog, Ivan (10.000) und fian Buam no a Radl Wurst.
Meine Wohnung erinnert mich jedes Mal an Venedig: wenn ich mein Bad betrete, umgibt mich ein Hauch von Grande Canale.
Also, lüftets gscheid durch
Schoasch
Höhle der Akkupunktur mit finstren Tränken ·171 days ago
von Schoasch, März 2010
Gastbeitrag
Griass Eich!
das in China nicht alles Gold ist, was glänzt, ist ja mittlerweile bekannt, ebenso, dass man hier wenigstens sieht, was man atmet. Da verwundert es natürlich nicht, wenn einem die Nasennebenhöhlen dauernd fretten (daherbean, sprich: malträtieren). Aber eines sollte man sich klar machen, dass man chinesische Malaisen auch nur mit chinesischer Medizin (Naturheildrogen) in den Griff griagt.
Deswegen wollt ich mich jetzt amoi akupunktieren lassen und schaun, wia des mit de Nadln funktioniert. Nach langer Suche hab ich endlich ein entsprechendes Etablissement ausgemacht und mich in die Höhle der Akupunktur begeben, bzw. einen vielstöckigen, außen traditionell mit Kacheln auf Klo getrimmten Bau. Was kann ma also darin erwarten? Es war ned nur von außen ein Chinabau, wia es Mullionen gibt, auch von innen blieb kein Auge trocken.
Wenn ma dieses Gebäude also betritt, darf man an der Rezeption vorstellig werden und erst mal einen saftigen Obulus von 38Ct für die Arztkonsultation entrichten. Hört sich nach nicht vui an, ist es auch nicht. Dann der Gang durch die Höhle hinauf in den dritten Stock. Dorthin führt eine Treppe durch ein sowohl ein, beim zweiten Blick mit der Nase aber doch mehr als ausladendes Treppenhaus. Sofort war ich umschlungen von einem Hauch aus Urin, um es genau zu sagen: es hod gsoichelt wia die Sau. Umso mehr ärgert es mich, dass ich Eich mit dieser Mail nicht auch meine nasalen Erinnerungen zur Verfügung stellen kann. Dreckig wars und unter dem Treppenhaus, wo bei Silentium das Auto in der Schrägen gelandet war, waren Toiletten, aus denen manch unheilvoller Geruch verströmte, Kabinen nebeneinander, damit man sich besser unterhalten konnte und über allem der Eindruck, dass hier die vorderste Front der Hygieneabteilung untergebracht war.
Im dritten Stock dann dasselbe triste Bild, wie in chinesischen Gebäuden gemeinhin üblich. Kahle Gänge in ungesunder Kälte, in die Duftspuren männlichen Urins mischte sich ein verheißungsvoller Mix aus diversen chinesischen Arzneimitteln, die seltensten Viecher konnte man da nasal erahnen. Im Behandlungszimmer fand ich dann grinsend eine Ärztin, die alles andere als eine Langnase erwartet hätte in diesem sogenannten … Neben ihr auf der Pritsche lag tief eingemummt eine Patientin, davor stand ein kümmerlicher Heizstrahler, damit ihr nicht das Leben postwendend aus dem Körper gefroren wurde. Der bezeichnende Name der Örtlichkeit war ohnehin mit Volkskrankenhaus gut gewählt, denn nur das niedere Volk wagte sich zur Gesundung an solch, wie es schien, krank machenden Ort.

Nachdem mir die Expertin der chinesischen Heilkunde den Puls gemessen und den Bleschel betrachtet hatte, gab es statt Akupunktur ein schnell zusammen geschriebenes Rezept für eine finstre Arznei (Bild). Wie verdient sich nun ein TCM Krankenhaus das Geld? Richtig, mit den verschriebenen Tränken und Kräutern. Dafür griagt ma auch eine halbe Rogl (Tüte) voll vo dem Zeig der Bescherung (Bild). Gebraut wird das ganze gleich vor Ort und dann hinein in die Papiertütn, wia bei de Amis der Fusel.

Wia also wirkt des Zeig? Beim ersten Trank war der Abgang etwas akut, aber es wurde mir scho wohlig ums Herz. Spätestens nach der 6. Dosis dann beginnt sich diese dunkle würzige Tinktur langsam aber sicher bemerkbar zu machen.
Welcher Art war nun diese Bemerkbarmachung? Das kann ich mit Worten nicht beschreiben, aber ich merkte, es war do wos, etwas, also irgendwos war da, was anders war als sonst. Ma kann sich den Zustand ungefähr so vorstellen (Bild). Eines aber muass ma dem ganzen lassen: so unheilvoll das Drumherum, meine Beschwerden waren zumindest für ein paar Tage wia wegblosn. Und dann kommt der Rückfall: ma braucht mehr vo dem Zeig… mehra… vui mehr… und bevor mas merkt, steht ma wieder vor der lächelnden Ärztin (Hexe?), es soachelt nicht mehr, sondern riacht auf oamoi wia wann Veilchen in der Luft warn… nur mehr vo dem Zeig… mehr…

Also, Prost und Grüße an die Gesundheit!
Euer Drogenbeauftragter
Schoasch
P.S: im Nachhinein stellt sich natürlich die Frage, ob es
im TCM-Krankenhaus wirklich gesoichelt hod, oder ob es nur der heilvolle Duft der
Kräuter war oder tatsächlich Veilchenduft, der mir in die Nasen gstieng is.
Aber man verlernt in China sehr schnell, zwischen gut und böse zu
unterscheiden, es wird oisse nur noch grau oder ein Baaz. Wie schon der Deng
Xiaoping gmoant hod: es ist egal, ob ma die Katze grün oder blau schlägt,
hauptsach sie frisst Meis (Mäuse).
"freiwillige" Organentnahme und die Architektur ·304 days ago
von Schoasch, September 2009
Gastbeitrag


Grüße Euch,
bevor wir zu den freiwilligen Organentnahmen kommen, hier noch eine Randnotiz zum Thema Architektur:
Mittlerweile gibt es eine große Kontroverse über das neue Gebäude des staatlichen Fernsehens. Was für die einen an ein architektonisches Wunder oder den chinesischen Gegenentwurf zum schiefen Turm grenzt, erscheint anderen nur als der größte Arsch China’s (Bild) Seine Explosivität hat das Gebäude zumindest schon unter Beweis gestellt, als das zum Gebäudekomplex gehörige Hotel während des Frühlingsfestes Feuer fing (Bild). Offiziell wird davon ausgegangen, dass ein illegales Feuerwerk die Ursache für den Brand war, die Befürworter der Arsch-Theorie sind da jedoch anderer Meinung
Die offiziellen Zahlen der Selbsthilfegruppe “Organlageristen” sind da. Die gute Nachricht: Es konnten ca. 65% der Organe von freiwilligen Spendern aus dem Todestrakt entnommen werden. Optimistische Menschenrechtsorganisationen gehen sogar von bis zu 90% aus. Man sollte diese Zahlen aber einer kritischen Überprüfung unterziehen. Die Frage: wie kommt man freiwillig in den Todestrakt. Es gibt hier die verschiedensten Wege, einer der beliebtesten ist nach wie vor s’Maul zu weit aufreißen, aber generell sind die Wege dahin fast unbegrenzt. In die Betrachtung mit einbeziehen sollte man auch die Organbilanz der einzelnen Wege zum freiwilligen Organspender (bleiben unterm Strich mehr Organe übrig, als der Weg gekostet hat). Sollte der Weg über Mundraub, Taschendiebstahl oder einfach nur Dalai-Lamaistischer Umtriebe geführt haben, ist die Organbilanz durchaus positiv. Sollte der Weg in die Todeszelle aber über freiwilligen Mord und Totschlag geführt haben, kann man auch anführen, dass zur Erzeugung der Spenderorgane vorher mindestens ebenso viele Organe auf den mit Leichen gepflasterten Wegen zerstört wurden.
Generell dazu die Meinung eines anonymen, absolut zuverlässigen Experten: Der ideale Organspender ist der, der noch möglichst viele andere zum Organspenden mitnimmt.
Ideal wären also freiwillige Spender, die beim Totschlag darauf achten, dass bei der Präparation des sogenannten Rohorganspeichers keine erntetauglichen Organe verletzt und der Speicher noch rechtzeitig zur Organentnahme angeliefert wird. Hier wäre vorzuschlagen, in der Nähe eines Krankenhauses die Präparation durch langsamen Sauerstoffentzug herbeizuführen und am besten vorher das geeignete Personal (Krankenhaus und Polizei) zu informieren, damit schnell und effizient gehandelt werden kann. Erste Schritte dazu wurden bereits unternommen, denn es sollen auch die Empfänger von Anfang an mit einbezogen werden:
Um Missbrauch zu verhindern und die Bereitschaft zur Organspende zu verbessern, haben das chinesische Rote Kreuz und das Gesundheitsministerium dem Bericht zufolge am Dienstag ein neues Organspendesystem eingeführt. Die neue Regelung will mögliche Spender und Empfänger miteinander in Verbindung bringen und sieht eine öffentliche Warteliste vor. Das soll die Transparenz verbessern. Die Pilotprojekte werden zunächst in zehn Provinzen und Großstädten beginnen. The system will help find more willing donors who didn’t know how to donate.
Leider können trotz aller Freiwilligen nur ca. 1% der Bedürftigen ein Spenderorgan erhalten. Darum veranstaltet die Marketingagentur Pro-Organ regelmäßig Großkundgebungen wie zuletzt in Xinjiang oder Tibet, um junge Leute zum Organspenden zu begeistern. Auf der Titelseite der China Daily kann man die Erfolgsmeldungen verfolgen: Authorities in the Xinjiang Uygur Autonomous Region have issued arrest warrants (Anm. des Übersetzers: Organspendeausweise) to 196 suspects (A. d. Ü.: Interessenten) and prosecuted (A. d. Ü.: auf die Warteliste setzen) 51 of them… The police have further requested that the procuratorate approves the arrest (A. d. Ü.: anderer Ausdruck für: Genehmigung des Auf-die-Warteliste setzens) of another 239 suspects . Der Wunsch nach Organspende in China ist vor allem bei Angehörigen von Minderheiten sehr stark ausgeprägt. Die Empathie für vom Schicksal benachteiligte Beamte und KPCh-Mitgliedern scheint gerade bei den privilegierten Tibetern und Uiguren eine Liebe deinen Nächsten Stimmung hervorzurufen, wie man sie sonst nur aus dem frühen Christentum kennt.
In diesem Sinne hat in China auch die Ausstellung eines Organspendeausweises eine ganz andere Bedeutung als bei uns.
Bleibt noch die Frage zu klären, worauf der Organempfänger beim Organerwerb achten sollte. Ein Fair Trade Siegel mag zwar helfen, aber wirklich empfehlen kann ich nur Organe, die mit dem chinesischen Gütesiegel versehen sind (Bild).

Für die Leseratten hier noch ein Buchtipp zum Thema Organspenden in China: der Roman “Drachenaugen” von Andy Oakes.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Schoasch
Software-Löcher oder wer scheißt auf die Mauer? ·304 days ago
von Schoasch, August 2009 (spät dran, ich weiss)
Gastbeitrag
Grüße aus dem Reich der Mitte.
Wenn ma in China weilt, gehört ein Besuch der chinesischen Mauer ja dazua wia Sand zum Meer. Welch erhabenes Gemäuer da über den Bergen thront. Die Schweizer ham se dacht: so ein Käse und ihre Mauer einfach unterirdisch anglegt.
Was für Sehenswürdigkeits-Fetischisten ein Leckerbissen, des is für andere eher eine Qual. Wenn also Eier Bua ned so recht ziagt, denkt’s daran, so ein Kind is zu allem und no vui mehr fähig.
Wenn’s Kind dahoam sagt, nein ich will nicht auf die Mauer (und am Schluss de Supp’n kinnt’s eich sonstwo…), nehmt’s es euch zu Herzen. Zuagem, koana hätt’s eahm zutraut, wia er g’sagt hot: I scheiß auf die Mauer! (Bild, ja, i woass, es gehört sich nicht, kloane Kinder beim auf die Mauer scheissen (gakeln) zu fotografieren, aber diese Protestaktion war einfach zu verlockend).

Derweil war des Mauerklo nur 100m weiter, aber wenn’s oahn druckt dann druckt’s dann muass hinaus (wia is mei ehemaliger Kollege nicht müde woan zu betonen: des is wia kurz vorm Klo in d’Hosen g’schissn). Wobei das Mauerklo: ausgschaut hätt’s wie ein Wachturm, aber wahrscheinlich hat’s vor diesem eines Tages oahn sauber druckt und er hat sich dacht, scheiss ich halt hinein. Als dann die nächsten Touris vorbeikommen sind, ham’s das laue Lüftchen erschnuppert und den Wachturm für ein Klo g’halten Scho alloa der Duft kann in oahm lang verdrängte Bedürfnisse wecken und somit war das Schicksal des Wachturms besiegelt. Es war übrigens einer mit 18 Fenstern, er war bei Weitem der größte und schönste in seinem Revier und ist heute seiner Zeit weit voraus… (die Beschlüsse des “20. world toilet summit – neue Wege zum Stuhl – hat dieser Wachturm alle lange vorher umgesetzt).
Es gibt aber no jede Menge anderer Vergnügungen, die auch für Mauermuffel einiges an Unterhaltung bieten, wia zum Beispiel unglaublich große Gefäße (Bild) oder den berüchtigten Erdbebensimulator (Bild). Vor diesem König der Fahrgeschäfte sollte man aber nicht allzu viele Style Snacks verköstigt haben, sonst kann auch der größte Topf zu weit weg stehen.


An dieser Stelle sollen endlich auch die letzten Geheimnisse der Großen Mauer sprichwörtlich gelüftet werden.
1. Warum ist die große Mauer eigentlich so lang? Ganz einfach: nicht wirklich um sich vor den Mongolen zu schützen, das war nur der Anlass für das erste Stück. Als aber nach Fertigstellung von den 100.000 Arbeitern noch 30.000 Stück g’lebt ham, ham’s einfach gsagt: ok, bau ma nomal a paar Kilometer. Als aber vor Fertigstellung der zusätzlichen paar Kilometer die Arbeiter aus war’n, mussten sie noch mal welche einstellen. Als dann das Teilstück fertig war, waren wieder zu viele Arbeiter übrig, etc. bis die Mauer schließlich die längste der Welt war: ein chinesischer Schildbürgerstreich ohnegleichen.
2. Was wäre die Mauer ohne das typisch einfallsreiche chinesische Marketing: von wegen ma kann die Mauer vom Weltall aus sehen, riechen vielleicht, aber sehen?
Das Gerücht stimmt bewiesenermaßen nicht (Yuri Gagarin hat weder einen Gedanken noch eine Große Mauer im All erblickt). Aber wenn nur g’nua kloane chinesische Kinder auf ihr kulturelles Erbe scheissen, weil sie lieber dahoam vorm computer hocken, könnte sich eines Tages doch das Gerücht bewahrheiten, dass ma die Mauer vom Weltall aus riechen kann. (da sag ich nur: Armes China). Die Tourismusbehörde war sich hier bewußt, dass eine Bewerbung mit olfaktorischen Genüssen vielleicht Blinde auf die Mauer bewegen könnte, der Schuss generell aber wohl eher nach hinten losgehen würde.
So, jetzt genug von der Mauer, kommen wir zur Arbeit (das Leben in China besteht halt nicht nur aus Vergnügen), Anekdoten aus der Sektion “Humor in Uniform” – fast unzensiert und kaum erfunden:
Was antwortet mir der Lieferant auf die Frage, ob auf der 3D Messmaschine die Software Holos installiert werden kann?
“Dear Christian,
Thank you for your reply.
I don’t know what’s the meaning of “Holos”.If you want to write “Holes”?
But about software holes,we never find this phenomenon.It should not exist.Our clients have never occured this fault.”
Ja, beim Barte des Konfuzius, Softwäre-Löcher sollten wahrlich nicht existieren. Welche Abgründe mögen sich da in der armen Frau aufgetan haben… Also passt’s auf, dass’s Euch nicht auch in die schwarzen Abgründe des Netz 3000.0 zieht und macht’s lieber einen Ausflug auf die Mauer.
“Hello xxx,
you can for these containers, please order me to you.
Thank you”
Da sag ich nur: but what me still wonders is what I not understand can.

In diesem Sinne: nehmt’s Euch Zeit und fahrt’s zur Mauer, hier gibt es noch Wunder. Wenn’s aber nach China fliagt’s, passt’s auf, dass nicht in den falschen Flieger steigt’s (Bild).
Ansonsten guten Flug
Schoasch
leben in langfang: wirtshaus zur resl ·493 days ago
von Schoasch, April/Mai 2009
Griass Eich,


einige von Euch (zumindest ich) haben sich bestimmt scho amal g’fragt: wie kann man in einer Wüste wia Langfang eigentlich überlem? Ganz einfach, mit einem bodenständigen Wirtshaus, dass den Durst löschen huift. Da gibts eine Einrichtung, die fast scho legendär (zwar nicht wia die French Bar, aber immerhin) woan is: des Wirtshaus zur Resl. Des bietet oam oisse, was ma braucht, Wein (in diesem Fall Bier aus Thermoskandln), Weib (die Resl) und Gesang (sprich: an Sauschmaaz (blödes Daherreden)). Hier foin dann so illustre Zitate wia: de grain oi wey Hundt (die chinesische Kippenqualität) (Bilder oben) oder: den Rest überlass i der Phantasie. Und nicht nur Wein, Weib und Gesang, sondern auch Sex (wieder die Resl, wer a immer des sei mog) and Crime (Laptop-Diebstahl unter den Augen der Stammtischgesellschaft) sind angesagt, das ganze trotz einer hochmodernen Kamera, die den Langnasen ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt.

Grad in den Sommermonaten etabliert sich zur Resl eine illustre Runde, in der das Schicksal Chinas lebhaft debattiert wird, ein sogenannter Stammtisch (Bild oben). Manch einer hat auch scho vo einer Tafelrunde gesprochen, wobei sich leider das Eckige der Tische nicht hinfort lamentieren losst. Nicht selten jedoch folgt den hehren Ideologien dann ein deftiger Kater. (Bild unten)

Das eigentlich beeindruckende am Wirtshaus zur Resl aber is des post-moderne Klo-Ensemble, in dem die grüne Zukunft mit all ihren Tücken scho gestern begonnen hat. Scho beim Eintreten wird ma über dem Waschbecken dezent auf das unverzichtbare Wassersparen hingewiesen. Die Resl beläßt es dabei nicht bei Worten und läßt Taten folgen. Der Spülkasten wurde demonstrativ kurz und klein geschlagen, warum soll man das Bier in den Blasen der Gäste einfach verschwenden? Hinfort dient es als Klospülung, die leider einem ordentlichen Haufen nur in den wenigsten Fällen gewachsen ist. Durch die hohe Qualität der Speisen und Getränke entleert sich der Gast in den natürlichsten Stellungen von oben, unten, hinten, vorne und manchmal auch kopfüber. So ergibt sich ein Neo-Avantgardistisches Fäkalspektakel, das den feinsten Nasen und Mägen einiges abverlangt. Über allem schwebt ein drohender Schimmelpilz, vor dem man sich am besten mit dem über der Schüssel platzierten Schutzhelm wehrt. Und nicht vergessen: Händewaschen! (Bild des beeindruckenden Ensembles mit einer jungfräulichen Schüssel nachfolgend)


Eine Warnung sei hier aber ausgesprochen: wehe dem, der zur Resl kommt und koan Grund zum Saufen hod! (Kommt GottseiDank nur sehr selten vor)
Wasserqualität in den Wohnwaben:
Das Leben: es ist nicht zu fassen… flüchtig wie das Gas aus einem fürchterlichen Schoas (Furz)… man sieht es nicht und doch ist es überall… wie das Wasser aus meinem Bad. Das Gas ist leichter als Luft, aber in einem geschlossenen Raum wie dem Bad oder dem Bauch kann es enorme Explosionskraft entwickeln: also aufgepasst, wer gleichzeitig duscht und eine raucht fordert das Schicksal heraus.
Hier noch eine Warnung für alle! (Bild unten)

Wer diese Warnung nicht befolgt, sollte sich am besten mit diesem Fluchtwagen aus dem Staub machen (Bild unten).

Also, ein Prosit!
Schoasch
arbeit in china: knechte des booms ·499 days ago
von Schoasch, April 2009
Griass Eich,
nachdem’s in China nicht nur lustig zugeht, hier mal ein ernsteres Thema: Arbeit.
Immer wieder mal kann ma in Pamphleten wie dem Spiegel, der Süddeutschen, aber auch seriösen Blättern wie dem Focus und der Bildzeitung lesen, dass eine der Säulen des chinesischen Booms das unerschöpfliche Millionenheer an billigen Arbeitskräften ist, die sogenannten Wanderarbeiter. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch darauf hingewiesen, dass diese Wanderabreiter ausgebeutet würden. Da ist von Knechten des Booms die Rede, vom Schuften für den Boom, vom Los der Wanderarbeiter oder gar von Chinas wütenden Wanderarbeitern. Begibt sich der westliche Journalismus damit auf die niedere Ebene der Populärklischees? Gar in die Nähe maoistischer Parolen wie “Der Reichtum der Grundherren beruht auf der Ausquetschung der Bauern”, “Die Welt ist eine Republik” oder “Den Letzten beißen die Hunde”?
Aber überzeugt Euch selbst:
Spiegel Artikel
Leider sind die chinesischen Grundlagen des Booms akut gefährdet, denn immer mehr Wanderarbeiter oder zumindest deren Kinder verlassen den traditionelle Weg zum Reichtum, den Weg der harten Arbeit ohne Lohn und versuchen ihn durch illegale Tätigkeiten abzukürzen. So wird als Ursache der steigenden Kriminalität in der China Daily genannt: “The second generation of migrant workers in cities is doing similar work to the first but is not as hardworking”. “Some of them dream of easy lives and pursue ways to make quick money to achieve their goals”. “This is a major reason for the increase in juvenile delinquency in these areas”.
Wenn ma in China arbeitet, weiß ma, wie wahr des is. Die Straßenräuberei nimmt überhand, als unschuldiger Fahrradfahrer z.B. wird ma von Wegelagerern, die einen Platten oder andere Fahrradschäden gnadenlos ausnützen, einfach in Geiselhaft genommen. Da bleibt einem dann nichts anderes übrig, als jeden Preis fürŽs Reifenflicken zu zahlen, und wenns ein dreistelliger Betrag ist (1Yuan+1Yuan+1Yuan). Des is ungefähr des Äquivalent einer Nudelsuppn, und dann hat ma no nix gessen. Ja diese ausgschamten Deifeln soll doch der Gustav Adolf holen (Anm. d. Red.: eine nach dem 30jährigen Krieg beliebte Redensart, die heid sovui hoasst wia: di soll doch da Blitz bam Scheiss’n treffa!)
Die Faulheit hat sich auch scho auf die Büroarbeiter übertragen. Kaum ist der Chef aus dem Haus, hört man nur no oa Geräusch: Das Schnarchen der Kollegen. Da muass ma fast scho grob wean, dass ma sie aus diesem Zustand tiefster Beschäftigung wieder herausreißt. Auf meine Frage, warum ich Depp zum Arbeiten heim geh konnten mir die Kollegen bislang keine befriedigende Antwort gem.
Dafür sind die Strafen für Fehlverhalten in manchem Unternehmen drastisch: auf zweimaliges auf den Werksboden spucken folgt nicht selten die Entlassung. Für mehrmaliges vor das Pissoar brunzen wurde bislang leider noch keine angemessene Erziehungsmethode gefunden, für Anregungen sind wir aber dankbar.
Eine Strafe an sich is scho des Essen in der Kantine, wobei kulinarische Masochisten diese Aussage mit Sicherheit anfechten dürften. Da wir nicht zu letzteren zählen, samma auf den Uiguren/Moslem-Lieferservice umgstieng. Nicht dass wir unsere chinesischen Kollegen mit Sprengstoffgürteln überraschen wollen, eher unsere Mägen mit am deftigen Rindfleisch und Erdäpfeln (aus der Familie der Äpfel, wobei zu dieser illustren Familie wohl die Bäpfel, eine wässrige Mischung aus Birnen und Äpfeln, nicht aber die zwar wohlriechenden, aber mistigen Pferdeäpfel gehören). I mecht ned wissen, wia vui Rindviecher in mia seit diesem Umstieg scho wiedergeborn woan san, und natürlich in meinen Kollegen. Bei dem ein oder anderen von uns hege ich aber die Vermutung, dass diese Wiedergeburten schon lange vorher stattgefunden haben müssten.
In diesem Sinne, man ist was man ißt.
Griass
Schoasch
langfang prater ·550 days ago
von Schoasch, März 2009
Gua Moang beiranand,
habt’s guad g’schlaffa? Denn heid wird’s gruselig…
Langfang ist bekanntermaßen alles andere als langweilig. So gibt’s nicht nur in Wien einen Prater, Langfang hat mittlerweile einen der modernsten und größten dauernden Vergnügungspark, die je unter der Sonne Mao’s gebaut wurden. Am Wochenende strömen die Massen dorthin, um sich vom grauen Alltag abzulenken: Man kann hier mit Delphinen tanzen, beim Peng Peng (übersetzt: Autoscooter) mit seiner Liebsten richtig aneinanderbumsen und das alles im Flair des vorletzten Jahrhunderts.
Es gibt sogar eine Freakshow, bei der man einen Affen beobachten kann, wie er einen Chinesen dressiert: dabei verwendet er nur einen Strick, über den er die Befehle an den dressierten Chinesen übermittelt. Auf dem Foto ahmt letzterer gerade die weltbekannte Klostellung nach. Wollen wir nur hoffen, dass ihm dabei nichts hinten rausrutscht wobei, die Hand geht scho verdächtig Richtung zurückwärts(Bild)

Und was auf keinem Jahrmarkt fehlen darf: eine Geisterbahn!!!! Uhuhuuhuhuhuhuhuhuuhhuhu! Man wird ganz bewusst mit dem schmucklos gehaltenen Eingang getäuscht, vor dem der Unsichtbare die Karten zu horrenden Preisen verhökert. (Bild) Des is aber no nix, verglichen mit dem, was einen darin erwartet.

Selbst nach vielen Tagen geht mir das unheimlichste aller Spukgeräusche, dieses Uhuhuhuuuuuhuhuhuhuhuuhu, der sogenannte Geistertinnitus, nicht mehr aus der Ruam (Rübe=Kopf). Wirkt die Bahn von außen nur wie ein Zelt, so verbirgt sich doch ein Labyrinth gigantischen Ausmaßes darin. Der Raum dehnt sich, die finsteren Gänge ziehen sich in die Unendlichkeit, morbide Gallerien umsäumt von Gehänkten und Gehörnten, man verläuft sich, weiß weder ein noch aus, weder vor noch zurück, noch nauf noch nunter, und immer dieses grausame uuhhuhuhuhuhuhuhuhuuhuhuuhu, dass haftet mir im Hirn wia ein Kanister voller Uhu (zu deutsch: chinesischer Schnaps)!
Es wird gemunkelt, der Geist manch schwach Besaiteten hätte sich nie wieder von diesem furchtbaren Uhuuuhuhuhuhuhuhu erholt. Aber überzeugt Euch selbst!!
Und der Wetterbericht verspricht wieder: Raketenwetter! Zieht eure Sturzhelme an, es ziehen Wolken auf!
Griass aus Langfang
Schoasch
Klimatisches, Flüssiges und sonstige Rinnsale ·550 days ago
von Schoasch, Februar 2009
Griass Eich,
hier das Neueste von der Klimafront und sonstigen Fronten, vor allem den
erhärteten…
Wetter: Schnee und Regen
Es schneit in Langfang, Schneechaos auf drei Flocken, letzte Woche hat´s
auch amal grengt, womit die längste Dürreperiode seit 40 Jahren beendet war.
Aber da in China nichts einen natürlichen Gang geht, hat die chinesische
Regierung den faulen Wolken amal ordentlich auf d´Sprüng g´holfen. Scho
tagelang vorher san die Raketenabschussrampen in Position bracht woan, ned
nur de chin. Neujahrsraketen, sondern richtige Regenmacherraketen. Zu
tausenden wean die dann zum freudigen Erscheinen einer Wolke in dieselbe
hineingejagt, dass de faulen Trümmer a wirklich no den letzten Tropfen
heagem (frei nach dem Motto: spucks aus du Sau!). Vom Staatsfernsehen is
dann a vorher scho der Kauf eines Sturzhelms empfohlen woan, damit oahm des
Glump ned auf d´Bian glatscht. Böse Zungen behaupten nämlich, dass bei
Regenwetter scho der ein oder andere unbedarfte Chines vo so am Blindgänger
niedergstreckt woan sei soll. Aber so schlägt der Chinese eben drei Fliegen
mit einer Klappe: er lässt es regnen, duad wos gegen die Überbevölkerung und
kurbelt die Wirtschaft an. Es hilft halt nix besser gecha a Wirtschaftskrise
wia ein Kriag, und wenn er nur gechan Himmel selber g´führt wird (guad, dass
der letzte Sohn des Himmels schon lange von uns gegangen ist).
Eine neue Religion?
Alljährlich, wenn das Frühjahr grünt, die Blumen in Chinas fruchtbaren
Tiefebenen reifen und so illustre Fischlein wie die furunkelnde Forelle, der
aberwitzige Aal, der stänkernde Stör und der kaputte Karpfen in den
idyllischen Steh- und Fließgewässern fröhlich ihre Bäuchlein gen Himmel
strecken, strömen in Langfang Menschen aus allen Richtungen herbei. Es ist
wieder Zeit für die jährliche internationale Angler- und Fischermesse, die
mitten im Herzen überbordender Natur und paradiesischer Grlückseligkeit
(Anm. d. Redaktion: maßlose Untertreibung), im weltbekannten Luftkurort
Langfang stattfindet.
Vier Tage lang rennen dann die Chinesen ohne Ende mit neu erstandenen Ruten,
Reusen, Angeln, Würmern, Haken und Ösen aus den Ausstellungstempeln, um sich
anschließend sofort in die Natur und auf ihre Opfer zu ergießen. Wenn ma
dabei die Augen und Nasen dicht geschlossen hält … sollte man allerdings
Augen und Nasen offen halten (was nur unbedarften Zeitgenossen empfohlen
werden kann), dann merkt ma ein laues Lüftlein, auf den ein flauer Magen und
dem wiederum ein laues – oder war´s faules? –Lüftlein folgt.
Der gemeine Suizidchinese aber steht glücklich an den Ufern und stellt
unbeirrt den hiesigen Superfischen wie dem Arsen-Karpfen und der mit
Plastiktüten getarnten Ku-Klux-Forelle nach, gelegentlich findet sich auch
noch ein chinesisches Zehnauge (für alle ohne lebenslänglichen Angelschein:
Neunage plus eins) und lasst seiner Rute freien Lauf. Manchmal kann man
auch beobachten, wie die Chinesen mit ihren Ruten mächtig die Rinnsale
fluten. Ansonsten aber wundert man sich, dass man die eingesetzten Fischlein
überhaupt no rausziang konn, bevor´s verenden (gar ned so schnell
herausangeln kann wie sie verenden). Leider werden die in dieser Kunst
bewanderten Chinesen meist nicht recht alt.
Immerhin bleiben aber inzwischen aufgrund der besonderen chemografischen
Lage Chinas die Gewässer ganzjährlich eisfrei, was mir persönlich aber
überhaupt nicht weiterhilft.
Aber Apropro mit Ruten die Rinnsale fluten: vor einiger Zeit hatte schon mal
eine Arbeitsgruppe Pissoir (Dank an Greg und Julian) Lösungsvorschläge
erarbeitet, wie man einen männlichen Chinesen mittleren bis älteren Alters
dazu bringen könnte, in das Pissoir und nicht kurz davor zu brunzen. (Anm.
d. Redaktion: Bei der Erarbeitung der Lösungsvorschläge wurde
berücksichtigt, dass das Problem der Überflutungen zwar hinlänglich bekannt
ist, es aber nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, was genau aus
psychologischer Sicht zu den häufigen Überflutungen führt. Einige Experten
gehen davon aus, dass geblähtes Selbstbewusstsein sowie ein Hinauszögern des
Überdruckablassens ihren Teil dazu beitragen. Andere Experten wiederum sehen
als Übeltäter eher die weniger Selbstbewussten, deren Scheu vor der
vaginalen Form chinesischer Toiletten sie im falschen Augenblick einen
Schritt zurücktreten lässt.)
Die kreativsten Lösungsvorschläge sollen hier aber trotzdem einmal
vorgestellt werden:
Frei nach dem Prinzip Bahnübergang („meine Herren, denken Sie daran: pinkeln
sie mir ja nicht von einem Bahnübergang!“ Zitat Werner Schnarr): Man
installiere ein elektrisches Feld in dem Wahrscheinlichkeitsraum des
Auftreffens des vor das Pissoir gebieselten Urins, so dass der mutwillige
oder auch der aus-Versehen-vor-das-Pissoir-Brunzer einen kräftigen
Stromschlag erhält, der mittels Urins durch die Rute direkt ins Hirn
geleitet wird und dort einen sogenannten Lerneffekt hervorrufen müsste. Beim
nächsten Mal dann, wenn der Bieselhalunke hoffentlich Stromschlag und
Danebenbrunzen kombiniert, sollte alles seinen geregelten Gang gehen
(nämlich direkt über das Pissoir in die natürlichen Rinnsale, wo dann der
Angler…).
Frei nach dem Prinzip Einarmiger Bandit (nicht verwandt mit der einäugigen
Hosenschlange, auch wenn hier beide eine gewisse Rolle zu spielen haben):
Man statte das Pissoir mit einer Zielscheibe aus. Jedes Mal, wenn der
Biesler ins Schwarze trifft, kommt aus einem Nebenarm des Pissoirs ein
Token. Hat man sich dann eine gewisse Anzahl an Token erbieselt, kann man
sich mit diesen aus einem Automaten eine Rolle Klopapier holen, was auch das
Risiko des fehlenden Klopapiers auf chinesischen Toiletten erheblich
reduziert. Der Erziehungseffekt liegt auf der Hand, denn auch in China
schrecken die Träger des grünen vor den Trägern des braunen Daumens zurück.
Das bestechende dieser Methode ist nach Aussage der Arbeitsgruppe Pissoir,
dass sie den kulturell ausgeprägten Spieltrieb des Chinesen umleitet in
hygienisch sauberes Handeln. (Als Alternative wären natürlich auch
Umerziehungslager denkbar, leider wird in diesen aber der Spieltrieb des
homo ludens letzterem allzu oft zum Verhängnis (siehe dazu auch
http://www.sueddeutsche.de/,tt6m1/panorama/386/459032/text/)
Kritiker dieser Methode bemängeln allerdings diese moderne Form des
Ablasshandels. Ihrer Meinung nach liegt der Grund für die Überflutungen an
einem massiven Mangel an natürlichen Erleichterungsinstrumenten wie dem
Baum. Sie setzen unbeirrt, unterstützt von der chinesischen Regierung, auf
landesweite Aufforstung, vernachlässigen aber die Tatsache, dass die Bäume
zur Produktion von Klopapier da gefällt werden müssen, wo geschissen wird.
Frei nach dem russischen Sprichwort: wo der Wolf zieht, wächst der Wald,
heißt es ins Chinesische übertragen: wo der Mensch scheißt, da wächst das
Gras. (Die Analogie zum Schaf ist hier allerdings ein Trugschluß)
Fazit: Die Arbeitsgruppe Pissoir hofft insgeheim, durch Ihren Beitrag die
Grundlage für überflutungsfreies Ablassen in China geschaffen zu haben. Die
Umsetzung überlassen wir den engagierten Vertretern der World Toilet
Foundation sowie des männlichen Teils der chinesischen Bevölkerung.
In diesem Sinne…
Der Schoasch (nicht zu verwechseln mit dem Sch…)
sunst no wos: langfang satt ·550 days ago
von Schoasch, Feburar 2009
Griass Eich,
so, es passiert nicht vui, aber hier a paar Anekdoten aus Zhongguo…
Bei einer Fahrradtour in China sollte man auf alles gefasst sein, nicht wenige Expats mussten schon mit folgenden Widernissen Bekanntschaft machen:
- Plötzliche Dekapitierung (frei nach dem französischen) durch auf Halshöhe über die Strass hängende Kabeln ist nichts Ungewöhnliches,
- ebenso unerwartetes Versinken im Erdboden durch fehlende Kanaldeckel (im Gegensatz zum deutschen Kanaldeckel – “Der moderne Kanaldeckel ist einheitlich langweilig: Standardformat nach DIN mit Betonfüllung” – steckt also der chinesische voller Überraschungen
- Hunden, die oahm an die Wadeln woll´n, (selber schuld, wenn ma so hoaglig is, dann wead ma selber zum Brotzeitopfer)
- oder andere fiese Bösewichte, wia z.B. der unbeirrbare Kanalrohrraser, der sich auch durch kleinste Öffnungen nicht von der Verfolgung abhalten läßt. (Bild)

Und es gibt Grenzen, die nur der wagemutigste Radler überschreiten sollte:
“…there was no point in looking back, fuck no, not today… a man on the move and just sick enough, to be totally confident…30 min, it was going to be very close…” (aus fear and loathing in Wuqing County) Es soll keiner behaupten, er sei nicht vorgewarnt worden… (Bild)
Landwirtschaft:
Die Preise für Schweinefleisch in China steigen und steigen, ein Ende ist nicht in Sicht. Findige Geschäftsmänner haben nun mangels verfügbaren Stallgrunds die Aufzucht, Mast und Schlachtung der Schweine auf die, wie wir mittlerweile wissen, wachsenden Teerbestände ausgedehnt. Hier hat das „glückliche Schwein“ ausreichend Bewegungsfreiheit, oft sogar mehrere Kilometer am Tag, sowie Frischluft und Gesellschaft von anderen Schweinen. Letzteres ist für das sogenannte „Glücksschwein“ von besonderer Wichtigkeit, da es aufgrund der weitläufigen Teerflächen schon des Öfteren zu vereinsamten Schweinen mit daraus folgender Lebensabneigung gekommen sein soll. Wurde in herkömmlichen Ställen die Versorgung des Schweins mit Leitungswasser aufgrund mangelnder Wasserqualität bemängelt, haben die Betreiber des mobilen Straßenstalls einfach auf Regenwasserversorgung umgestellt. Somit werden die Frische und „der perfekte Geschmack“ des Wassers und damit des Schweins sicher gestellt. Transparenz der Wasserqualität ist gegeben, denn die kann jeder selbst nachschmecken (wenn es denn einmal regnen sollte). (Wie hieß es noch damals bei „Hurra Deutschland“: „Alles spricht vom sauren Regen, also sauer schmeckt der nicht!“).(Bild)
Erdbeben-Nachtrag:
Bei den Erdbebenbildern des Frühjahrs fragt ma sich wirklich, wie sicher die eigene Wohnwabe in Langfang ist. Diese Frage wird durch die unmissverständliche Symbolik der Freizeitanlagen in unserer Siedlung beantwortet: wir sitzen alle im gleichen Boot. (Bild)

Dem dahinter steckenden Fatalismus möchte ich mich lieber nicht anschließen, quasi nach dem Motto: Erwischt´s mich heid ned, erwischt´s mich moang!
Es hat auch in Langfang gewackelt, aber glücklicherweise war ich in einem der erdbebensichersten Orte, die es in China gibt: in einem Taxi in Shanghai. Wobei ma sich da bei den chinesischen Stoßdämpfern nicht ganz so sicher sein sollte.
Das neue Modell von BMW jedenfalls hat den Erdbebentest nicht bestanden.(Bild)

Immerhin wurde der „Quake Terror“ nicht der Dalai-Lama-Clique in die Schuhe geschoben und Opa Wen („Der gute Mensch von Sichuan“) ließ die Verletzten mit seinem Privathubschrauber ausfliegen. Da hätte sich der Schröder damals mit seine Gummistiefel beim Elbhochwasser noch eine Scheibe abschneiden können. Ganz mit Abwesenheit glänzte dagegen in den ersten Tagen das olympische Phantom Hu (der als Fackel-Mann mit dem Schweizer Fusion-Mann um die Weltherrschaft kämpft?).
Anekdotisches zum Essen aus dem Reich der Mitte:
Warum verweigert ein ethisch handelnder Chinese den Wurm bzw. die Made am Spieß? Er will seinen Bandwurm nicht zum Kannibalismus verführen. Des Problem mit den Würmern hob i Gott sei´s gedankt nicht, meine Bakterien ernähren sich nur von meiner Magenschleimhaut. Für den, dem´s schmeckt, is des des Höchste…
Hehnagralln essen is wia Finganägl kaun, nur halt die vo wem anders…
Wie hat letztens ein chinesischer Ureinwohner beim Essen zu mir g´sagt, als wir über die Auswüchse des westlichen Kapitalismus g´redt ham? „Und eines Tages werdet Ihr merken, dass man mit dem Regenwald auch essen kann. (Bild, ich bin übrigens der rechts im Bild)
In Langfang wurden in letzter Zeit immer wieder Ufo-Sichtungen gemeldet. Einem beherzten Spießbrater ist es jetzt gelungen, ein Exemplar für die Langfanger Bürger festzuhalten: auf einem Spieß. Da zeigt es sich, dass ein Volk, in dem nicht nur die metaphorischen Spieße, ja meine Brüder und Schwestern, vor allem auch die leibhaftigen Spieße hochgehalten werden, gegen eine Invasion aus dem All praktisch unempfindlich ist. (Bild)

Grüße aus Langfang
Schoasch
schoasch ·551 days ago

(auf dem Foto links)
Schoasch ist Bayer und gefangen in einer Alternativwelt genannt Langfang. In Zukunft [Stand März 2009] wird er dies auch auf lihai.de schriftlich verarbeiten. Die Rechte an allen Bildern, Videos und Meinungen verbleiben natürlich bei ihm.
Alle seine Posts könnt ihr hier finden.

