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"freiwillige" Organentnahme und die Architektur ·307 days ago

von Schoasch, September 2009

Gastbeitrag


Grüße Euch,

bevor wir zu den freiwilligen Organentnahmen kommen, hier noch eine Randnotiz zum Thema Architektur:
Mittlerweile gibt es eine große Kontroverse über das neue Gebäude des staatlichen Fernsehens. Was für die einen an ein architektonisches Wunder oder den chinesischen Gegenentwurf zum schiefen Turm grenzt, erscheint anderen nur als der größte Arsch China’s (Bild) Seine Explosivität hat das Gebäude zumindest schon unter Beweis gestellt, als das zum Gebäudekomplex gehörige Hotel während des Frühlingsfestes Feuer fing (Bild). Offiziell wird davon ausgegangen, dass ein illegales Feuerwerk die Ursache für den Brand war, die Befürworter der Arsch-Theorie sind da jedoch anderer Meinung

Die offiziellen Zahlen der Selbsthilfegruppe “Organlageristen” sind da. Die gute Nachricht: Es konnten ca. 65% der Organe von freiwilligen Spendern aus dem Todestrakt entnommen werden. Optimistische Menschenrechtsorganisationen gehen sogar von bis zu 90% aus. Man sollte diese Zahlen aber einer kritischen Überprüfung unterziehen. Die Frage: wie kommt man freiwillig in den Todestrakt. Es gibt hier die verschiedensten Wege, einer der beliebtesten ist nach wie vor s’Maul zu weit aufreißen, aber generell sind die Wege dahin fast unbegrenzt. In die Betrachtung mit einbeziehen sollte man auch die Organbilanz der einzelnen Wege zum freiwilligen Organspender (bleiben unterm Strich mehr Organe übrig, als der Weg gekostet hat). Sollte der Weg über Mundraub, Taschendiebstahl oder einfach nur Dalai-Lamaistischer Umtriebe geführt haben, ist die Organbilanz durchaus positiv. Sollte der Weg in die Todeszelle aber über freiwilligen Mord und Totschlag geführt haben, kann man auch anführen, dass zur Erzeugung der Spenderorgane vorher mindestens ebenso viele Organe auf den mit Leichen gepflasterten Wegen zerstört wurden.

Generell dazu die Meinung eines anonymen, absolut zuverlässigen Experten: Der ideale Organspender ist der, der noch möglichst viele andere zum Organspenden mitnimmt.

Ideal wären also freiwillige Spender, die beim Totschlag darauf achten, dass bei der Präparation des sogenannten Rohorganspeichers keine erntetauglichen Organe verletzt und der Speicher noch rechtzeitig zur Organentnahme angeliefert wird. Hier wäre vorzuschlagen, in der Nähe eines Krankenhauses die Präparation durch langsamen Sauerstoffentzug herbeizuführen und am besten vorher das geeignete Personal (Krankenhaus und Polizei) zu informieren, damit schnell und effizient gehandelt werden kann. Erste Schritte dazu wurden bereits unternommen, denn es sollen auch die Empfänger von Anfang an mit einbezogen werden: Um Missbrauch zu verhindern und die Bereitschaft zur Organspende zu verbessern, haben das chinesische Rote Kreuz und das Gesundheitsministerium dem Bericht zufolge am Dienstag ein neues Organspendesystem eingeführt. Die neue Regelung will mögliche Spender und Empfänger miteinander in Verbindung bringen und sieht eine öffentliche Warteliste vor. Das soll die Transparenz verbessern. Die Pilotprojekte werden zunächst in zehn Provinzen und Großstädten beginnen. The system will help find more willing donors who didn’t know how to donate.
Leider können trotz aller Freiwilligen nur ca. 1% der Bedürftigen ein Spenderorgan erhalten. Darum veranstaltet die Marketingagentur Pro-Organ regelmäßig Großkundgebungen wie zuletzt in Xinjiang oder Tibet, um junge Leute zum Organspenden zu begeistern. Auf der Titelseite der China Daily kann man die Erfolgsmeldungen verfolgen: Authorities in the Xinjiang Uygur Autonomous Region have issued arrest warrants (Anm. des Übersetzers: Organspendeausweise) to 196 suspects (A. d. Ü.: Interessenten) and prosecuted (A. d. Ü.: auf die Warteliste setzen) 51 of them… The police have further requested that the procuratorate approves the arrest (A. d. Ü.: anderer Ausdruck für: Genehmigung des Auf-die-Warteliste setzens) of another 239 suspects . Der Wunsch nach Organspende in China ist vor allem bei Angehörigen von Minderheiten sehr stark ausgeprägt. Die Empathie für vom Schicksal benachteiligte Beamte und KPCh-Mitgliedern scheint gerade bei den privilegierten Tibetern und Uiguren eine Liebe deinen Nächsten Stimmung hervorzurufen, wie man sie sonst nur aus dem frühen Christentum kennt.

In diesem Sinne hat in China auch die Ausstellung eines Organspendeausweises eine ganz andere Bedeutung als bei uns.

Bleibt noch die Frage zu klären, worauf der Organempfänger beim Organerwerb achten sollte. Ein Fair Trade Siegel mag zwar helfen, aber wirklich empfehlen kann ich nur Organe, die mit dem chinesischen Gütesiegel versehen sind (Bild).

Für die Leseratten hier noch ein Buchtipp zum Thema Organspenden in China: der Roman “Drachenaugen” von Andy Oakes.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
Schoasch