Software-Löcher oder wer scheißt auf die Mauer? ·308 days ago
von Schoasch, August 2009 (spät dran, ich weiss)
Gastbeitrag
Grüße aus dem Reich der Mitte.
Wenn ma in China weilt, gehört ein Besuch der chinesischen Mauer ja dazua wia Sand zum Meer. Welch erhabenes Gemäuer da über den Bergen thront. Die Schweizer ham se dacht: so ein Käse und ihre Mauer einfach unterirdisch anglegt.
Was für Sehenswürdigkeits-Fetischisten ein Leckerbissen, des is für andere eher eine Qual. Wenn also Eier Bua ned so recht ziagt, denkt’s daran, so ein Kind is zu allem und no vui mehr fähig.
Wenn’s Kind dahoam sagt, nein ich will nicht auf die Mauer (und am Schluss de Supp’n kinnt’s eich sonstwo…), nehmt’s es euch zu Herzen. Zuagem, koana hätt’s eahm zutraut, wia er g’sagt hot: I scheiß auf die Mauer! (Bild, ja, i woass, es gehört sich nicht, kloane Kinder beim auf die Mauer scheissen (gakeln) zu fotografieren, aber diese Protestaktion war einfach zu verlockend).

Derweil war des Mauerklo nur 100m weiter, aber wenn’s oahn druckt dann druckt’s dann muass hinaus (wia is mei ehemaliger Kollege nicht müde woan zu betonen: des is wia kurz vorm Klo in d’Hosen g’schissn). Wobei das Mauerklo: ausgschaut hätt’s wie ein Wachturm, aber wahrscheinlich hat’s vor diesem eines Tages oahn sauber druckt und er hat sich dacht, scheiss ich halt hinein. Als dann die nächsten Touris vorbeikommen sind, ham’s das laue Lüftchen erschnuppert und den Wachturm für ein Klo g’halten Scho alloa der Duft kann in oahm lang verdrängte Bedürfnisse wecken und somit war das Schicksal des Wachturms besiegelt. Es war übrigens einer mit 18 Fenstern, er war bei Weitem der größte und schönste in seinem Revier und ist heute seiner Zeit weit voraus… (die Beschlüsse des “20. world toilet summit – neue Wege zum Stuhl – hat dieser Wachturm alle lange vorher umgesetzt).
Es gibt aber no jede Menge anderer Vergnügungen, die auch für Mauermuffel einiges an Unterhaltung bieten, wia zum Beispiel unglaublich große Gefäße (Bild) oder den berüchtigten Erdbebensimulator (Bild). Vor diesem König der Fahrgeschäfte sollte man aber nicht allzu viele Style Snacks verköstigt haben, sonst kann auch der größte Topf zu weit weg stehen.


An dieser Stelle sollen endlich auch die letzten Geheimnisse der Großen Mauer sprichwörtlich gelüftet werden.
1. Warum ist die große Mauer eigentlich so lang? Ganz einfach: nicht wirklich um sich vor den Mongolen zu schützen, das war nur der Anlass für das erste Stück. Als aber nach Fertigstellung von den 100.000 Arbeitern noch 30.000 Stück g’lebt ham, ham’s einfach gsagt: ok, bau ma nomal a paar Kilometer. Als aber vor Fertigstellung der zusätzlichen paar Kilometer die Arbeiter aus war’n, mussten sie noch mal welche einstellen. Als dann das Teilstück fertig war, waren wieder zu viele Arbeiter übrig, etc. bis die Mauer schließlich die längste der Welt war: ein chinesischer Schildbürgerstreich ohnegleichen.
2. Was wäre die Mauer ohne das typisch einfallsreiche chinesische Marketing: von wegen ma kann die Mauer vom Weltall aus sehen, riechen vielleicht, aber sehen?
Das Gerücht stimmt bewiesenermaßen nicht (Yuri Gagarin hat weder einen Gedanken noch eine Große Mauer im All erblickt). Aber wenn nur g’nua kloane chinesische Kinder auf ihr kulturelles Erbe scheissen, weil sie lieber dahoam vorm computer hocken, könnte sich eines Tages doch das Gerücht bewahrheiten, dass ma die Mauer vom Weltall aus riechen kann. (da sag ich nur: Armes China). Die Tourismusbehörde war sich hier bewußt, dass eine Bewerbung mit olfaktorischen Genüssen vielleicht Blinde auf die Mauer bewegen könnte, der Schuss generell aber wohl eher nach hinten losgehen würde.
So, jetzt genug von der Mauer, kommen wir zur Arbeit (das Leben in China besteht halt nicht nur aus Vergnügen), Anekdoten aus der Sektion “Humor in Uniform” – fast unzensiert und kaum erfunden:
Was antwortet mir der Lieferant auf die Frage, ob auf der 3D Messmaschine die Software Holos installiert werden kann?
“Dear Christian,
Thank you for your reply.
I don’t know what’s the meaning of “Holos”.If you want to write “Holes”?
But about software holes,we never find this phenomenon.It should not exist.Our clients have never occured this fault.”
Ja, beim Barte des Konfuzius, Softwäre-Löcher sollten wahrlich nicht existieren. Welche Abgründe mögen sich da in der armen Frau aufgetan haben… Also passt’s auf, dass’s Euch nicht auch in die schwarzen Abgründe des Netz 3000.0 zieht und macht’s lieber einen Ausflug auf die Mauer.
“Hello xxx,
you can for these containers, please order me to you.
Thank you”
Da sag ich nur: but what me still wonders is what I not understand can.

In diesem Sinne: nehmt’s Euch Zeit und fahrt’s zur Mauer, hier gibt es noch Wunder. Wenn’s aber nach China fliagt’s, passt’s auf, dass nicht in den falschen Flieger steigt’s (Bild).
Ansonsten guten Flug
Schoasch

